Kunstkreis Berlin









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Bildnis des Verlegers Bruno Cassirer


© VG Bild-Kunst, Bonn 2001 

1921

Öl auf Leinwand, 75,5 x 56,5 cm

Bez. rechts oben : M Liebermann 21

Prov.: Galerie Ludorff, Düsseldorf (1989); Neumeister, München (1990); Galerie Tableau, Berlin (bis 8.7.92); Privatbesitz, Berlin (1992 bis 10/1993); Kunstkreis Berlin GbR (seit 1993).

Ausst.: Neumeisters Moderne, München 24.11.1990, Nr. 323, Farbtaf. 8 (zurück); Galerie Ludorff, Katalog 49, Düsseldorf Herbst 1989, Farbabb. S. 123; Cannes, La Malmaison 1996, Farbabb. i. Kat. S.31; Lutherstadt Wittenberg, Cranach-Galerie 1996, Farbabb. i. Kat. S. 31; Graphisches Kabinett Kunsthandel Werner KG, Berlin 1997; Max Liebermann - Jahrhundertwende, Alte Nationalgalerie, Berlin 1997, Farbabb. i. K. S. 262

Lit.: M. Eberle, Werkverzeichnis, München 1996, Nr. 1921/50 S. 1048-1050.

Bruno Cassirer (Breslau 12.12.1872 - 29.10.1941 Oxford) "gehörte einer weitverzweigten Familiendynastie an. Sein Bruder war der Musiker Fritz, ein heiterer, lebhafter Mensch, der ein gutes Buch über Beethoven geschrieben hat und zuweilen auch als Kapellmeister tätig war, ein Vetter war... der Kunsthändler Paul, ein zweiter Vetter der namhafte Neurologe Richard, ein dritter der erfolgreiche Fabrikant Hugo, und ein vierter der international bekannte Philosoph Ernst. Die Väter dieser Männer waren einflußreiche Geschäftsleute gewesen und hatten manches für das Gemeinwohl getan. ... Die weitverzweigte Familie hielt fest zusammen und bildete einen eigenen Familienstolz aus, der sich zuweilen in einem intoleranten Familienhochmut verirren konnte. Bruno Cassirer ... hatte Kunstgeschichte studiert, sich mit seinem Vetter Paul zu einem Kunsthandel vereinigt, hatte sich von ihm aber bald getrennt und einen Kunstverlag gegründet. Neben der Kunst hatte er noch die Passion für edle Pferde und wurde einer der erfolgreichsten Förderer des Trabrennsports. ... Während einer Konferenz mit ihm über Fragen der Kunst und der Literatur klingelte beständig das Telefon; er sprach mit Leuten der Sportpresse, mit seinem Trainer und Fahrer, kaufte Heu und Hafer und nannte die auf Grund eines eigenen Stallhumors gebildeten Namen der Rennpferde mit derselben Sicherheit, mit der er soeben Namen moderner Künstler ausgesprochen hatte. Im Wartezimmer saßen Künstler, Autoren und Pferdemenschen, Papier- und Getreidelieferanten, Buchbinder und Stalleute und wunderten sich übereinander. Er pflegte zu sagen, daß er diese Passion brauchte, daß er ohne sie melancholisch würde." (Karl Scheffler: Die fetten und die mageren Jahre, Leipzig - München 1946, S. 192).

Das bekannteste Produkt seiner verlegerischen Tätigkeit ist wohl die Zeitschrift Kunst und Künstler, die zuerst 1903 erschien und von vielen als die "schönste Kunstzeitschrift" bezeichnet wird, die jemals erschienen ist. Dreißig Jahre lang war sie die führende Kunstzeitschrift in Deutschland. Mitten im Jahrgang, im Juni 1933, stellte sie das Erscheinen ein. Eine Stellungnahme gegen die Kunstpolitik der neuen Machthaber war unmöglich. "Bruno Cassirer versuchte noch fünf Jahre lang, mehr und mehr als Jude angefeindet, seinen Verlag, seine Lebensarbeit weiterzuführen. Als es immer bedrohlicher wurde, als die progromartigen Novembertage von 1938 vorüber waren, mußte er weichen. Er fuhr mit seiner Familie, fast im letzten Augenblick, nach England und versuchte dort als Verleger weiterzuarbeiten". (Scheffler, s.o., S. 363)

Bruno Cassirer starb im Oktober 1941 in Oxford.